Illatos im Juli 2008

Er ist da mal wieder, dieser rabenschwarze Tag. Wir erleben ihn nicht so oft wie andere Tierschutzvereine, die sich im Ausland um eine Tötungsstation kümmern, vielleicht sind wir deshalb umso mehr geschockt.
Es wurde getötet, wir haben es nicht gewusst. Viele Rottis sind verschwunden und viele andere, teilweise waren sie schon auf unserer Rettungsliste. Verzweifelt wird gesucht, wer es geschafft hat und wer nicht. Warum? Es ist zu spät, was bringt es noch zu wissen, wer tot ist und trotzdem forscht man weiter. Vielleicht um trauern zu können, um Abschied zu nehmen. Wir wissen, es ist verrückt. Und trotzdem tun wir es. Die Bilder der getöteten Hunde sind im Kopf. Wir möchten schreien und sind doch stumm. Resignieren möchten wir in dem Moment, denn wir wissen, auch wenn wir Bescheid gewusst hätten, hätten wir es nicht verhindern können. Das Geld ist knapp und vor allem die Plätze sind knapp. Und wenn nicht genug Plätze da sind, muss man entscheiden, doch wer will das? Entscheiden wer leben darf und wer nicht. Ausländische Tierschützer müssen das Tag für Tag machen, und wir fragen uns wie sie das schaffen.
Wir möchten aufgeben, nichts mehr hören, nichts mehr sehen. Verzweiflung macht sich breit, nicht lange, denn wir haben keine Zeit für so was. Es muss weitergehen, wie viele Plätze sind noch da? Können wir irgendwo noch einen hinstopfen, diesen einen, den wir schon im Blick haben, weil wir wissen, er hat keine Chance. Vielleicht ist er groß, alt oder schwarz oder krank? Reicht das Geld? Wir rennen, wir betteln , wie immer, wie alle im Ausland engagierten Vereine. Denn wir dürfen nicht aufgeben, dann sterben noch mehr. Und wir hoffen mal wieder, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

In Gedenken an die getöteten Hunde vom Illatos im Juli 2008 und diejenigen, die vorher schon gegangen sind.

 

                                  Für die Zweifler!

   

                                            

"Hallöchen, darf ich mich vorstellen, mein Name ist 168 K. Zumindest hieß ich sehr lange so. Ich hatte keinen Namen. Mein Ablaufdatum war der 13.03.2008. Ab diesem Tag hätte ich getötet werden können.

Ich wusste damals nicht, dass ich beobachtet wurde von außen, die ganze Zeit. Ich wusste nicht, dass man darauf achtete, ob ich rausging aus der Tötung und ich wusste nicht, dass ich dann plötzlich auf der Liste erschien. Diese Liste, die Niki und Gabriella nach Deutschland schicken. Die Liste auf der die gefährdeten Hunde erscheinen.

Aber am 09.04.2008 war es soweit. Mein Glück, denn ich kam raus. Nach diesen langen Wochen in einem Minizwinger habe ich mich in der Hundepension super wohlgefühlt. Ein großer Zwinger, Freilauf, manchmal Gassigehen, geknuddelt werden, das war toll.

          

                                

Dann kam dieser andere Tag. Unruhe in der Hundepension. Ein großes Auto kam an und wir in Boxen. Ich hatte keine Angst, aber ein paar meiner Kollegen. Die dachten doch sie müssten in die Tötung zurück. Ich hab versucht ihnen zu erklären, dass das Blödsinn ist, die holen uns doch nicht raus, zahlen Geld für die Pension und für den Tierarzt und schicken uns dann zurück. So ein Quatsch. Aber manche wollten das einfach nicht glauben.

Nach einer langen Fahrt, durfte ich aussteigen. Ich kam mit Draga zusammen in einen Zwinger, aber ihr glaubt es nicht, keine halbe Stunde später hat man uns ein sogenanntes Geschirr verpasst und wir waren auf einem Riesenfeld. Das war so toll. Seitdem bin ich täglich Gassi, verbringe viel Zeit mit Draga im Freilauf zum Toben, das Essen ist super und mir gefällt es hier.

        

             
                                Warum ich das erzähle? Für die Zweifler!

      
Für die, die meinen, es sollten keine Auslandshunde nach Deutschland. Warum nur wollt ihr dass ich sterbe? Ich kann doch nichts dafür dass ich in Ungarn geboren wurde, in einem Land wo es noch Tötungsstationen gibt. Ich nehme doch keinem was weg. Ich möchte mich bedanken bei all den Tierheimen, die Auslandshunden wie mir eine Chance geben. Für mich ist das Tierheim ein toller Ort, ich kenne ja noch nichts besseres. Und im Moment glaube ich auch nicht, dass es noch was besseres gibt.

Der Verein Hundefreunde-Illatosut e. V. holt immer nur gefährdete aus der Tötung, deshalb sind wir ja so viele große, schwarze, alte. Wir lassen uns oft nicht direkt vermitteln, denn die Menschen wollen uns erst kennen lernen. Und ich kann euch sagen, so toll wie es in Ungarn in der Pension war, ich bin jetzt lieber hier.

Hätte ich denn Monate in der Pension sitzen sollen, bis sich jemand für mich gefunden hätte? Hier habe ich alle Chancen auf ein tolles Hundeleben. Ach ja, am Freitag, den 09.05 gehe ich mal eine Nacht zur Probe heim. Drückt mir die Daumen.


Euer 168 K, dann Fantazia, jetzt in Deutschland Scooby, oder Bärchen, oder Stinki (ich wälze mich so gern) oder Schnuffel oder einfach Süßer.

             

                                 
PS: Ich habe mich so toll benommen, dass ich am 10.05. mit meinem Herrchen nur noch ins Tierheim zurückgefahren bin, um einen sogenannten Schutz-Vertrag zu machen. Ich bin zu Hause angekommen.
Danke."

(geschrieben von Anke Zieger)

 

 

             Die Geschichte von Pogatscha, jetzt Paul

              

"Hallöchen, ich bin Paul, und ich werde euch jetzt mal meine Geschichte erzählen:

Ich bin ca. 8 Jahre alt, diese 8 Jahre waren sehr hart für mich. Ich habe zwei Durchtritte an den Vorderbeinen und Arthrose im Ellbogen, habe wohl als junger Hund nicht genügend Vitamine bekommen.

Aber naja, meine Geschichte beginnt aber eigentlich im Illatos, da saß ich nämlich eines Tages und war todunglücklich. Wer meint, wir Hunde merken nicht, dass wir in einer Tötung sitzen, irrt sich sehr. Ich hatte trotzdem noch Glück, denn im Illatos wird nur getötet wenn es voll ist.

Also mein "Ablaufdatum" war schon lange vorbei und eigentlich wollte ich auch sterben. Aber wenn möglich wollte ich einfach einschlafen, und nicht durch die Spritze gehen. Also habe ich mich aufgegeben, wenig oder gar nicht gefressen und jeden Morgen gehofft, nicht mehr aufzuwachen.
              
So sah ich damals aus:

              

 
 

          

Ich wachte aber jeden Morgen wieder auf. Ich wusste, viele Hunde werden auch in Ungarn adoptiert, und die ungarischen Orgas helfen wo sie können, aber es sind einfach zu viele Hunde. Und außerdem ich war alt und krank.

Irgendwann hörte ich dann, dass zwei ungarische Engel manchmal im Illatos unterwegs sind, die genau nach denen schauen, nach denen sonst keiner schaut. Trotzdem konnte ich die Resignation irgendwie nicht abschütteln. Wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich heute weiß, dann hätte ich das geschafft. Die ungarischen Engel Gabriella und Niki, die hatten Unterstützung von ein paar Ausländern bekommen. Denen hatten sie schon längst ein Foto von mir geschickt.

Und ihr werdet es nicht glauben, die beteten jetzt für mich, dass ich solange durchhalte bis ein Quarantäneplatz für mich frei ist. Und ein paar Tage später stand einer der Engel vor mir und hat mich tatsächlich mitgenommen. Ich kam in eine Hundepension und konnte mich das erste Mal seit Monaten wieder richtig bewegen in dem großen Zwinger.

                    

             

Und ein paar Wochen später mußte ich nochmal in die Box, aber irgendwie hatte ich keine Angst mehr und nach vielen Stunden im Auto landete ich laut bellend im Tierheim Weinheim. Und da standen dann ein paar Frauen, die haben geweint als sie mich sahen, aber geweint vor Freude. Ja ich glaub das auch kaum.

Jetzt bin ich hier, Bilder von mir seht ihr auf der Homepage und mir geht es supergut. Ich bin einfach nur ein Schatz, sagen die Tierheimler. Na die müssen es ja wissen. Die wollen jetzt ein Zuhause für mich suchen, das soll noch toller sein als das Tierheim. Warten wir es mal ab.

 

So sehe ich heute aus:

          

                                                      

(geschrieben von Anke Zieger)

PS: Ich habe das große Los gezogen und lebe inzwischen fröhlich und zufrieden im eigenen Zuhause! Ich war ja schon im Tierheim glücklich, aber das ist noch einmal eine Steigerung für mich. Nie hätte ich das gedacht!
Danke allen, die mich nicht sterben ließen und mir gezeigt haben, dass es immer Hoffnung gibt, auch für einen Hund wie mich!"


 

Die Bitte des Kettenhundes an Gott

Herr, ich bin nur ein armer Kettenhund,
steh' nun vor dir, mein Hals ist wund.
Fast eingewachsen ist der Ring,
mit dem ich an der Kette hing.

Hab' Ohrenschmerzen, bin fast blind
von Regen, Schnee und kaltem Wind.
 
Von Rheuma steif sind meine Knochen,
bin fast auf meinem Bauch gekrochen
aus Angst vor meinem strengen Herrn;
denn mich zu streicheln, lag ihm fern.

Hätt' gern gegeben alle Liebe,
erhalten hab' ich oft nur Hiebe,
nur so - weil gerad´ im Weg ich stand,
und hätt' so gern geleckt die Hand.

Für nur ein wenig Zärtlichkeit,
ein wenig Lob, wär' gern bereit
mein armes Leben hinzugeben
könnt' ich mein Aug' zu ihm erheben.

Und lesen dann in seinem Blick
ein wenig Liebe - doch dies Glück,
beschieden hier war es mir nie,
war immer nur ein armes "Vieh".

Bin noch nicht alt nach Menschenjahren
und hab schon so viel Leid erfahren!
Doch steht einmal mein Herr vor dir,
dann bitt' ich dich, versprich es mir,

ich fleh' darum nicht ohne Grund,
schick ihn zurück als Kettenhund!

(Verfasser unbekannt)

         

                    

Liebes, verfluchtes Gitter

Wohl tausend Mal schon habe ich die eisernen Stäbe mit meinen Pfoten niederreißen wollen, und auch meine Zähne habe ich daran probiert. Aber härter als der härteste Knochen, glatter als der glatteste Stein gibst du nicht nach, du verfluchtes Gitter.

Ich höre Stimmen - hohe, tiefe, ich rieche deinen seufzenden Atem, ich suche deine Augen, du Aufrechtgehender, um dir zu sagen: "Bitte, ich bitte dich, ich bettele dich an!" Nein, ich will keinen Knochen, kein Stück Barmherzigkeitswurst, ich habe keinen Hunger. Ich habe SEHNSUCHT - nach Luft, Wiese, einer Decke in einer warmen Ecke, nach einer Hand, in die ich meine Schnauze stecken kann. "Nimm mich mit!! Ich bitte dich, gib mir ein Stückchen Glück von dem zurück, das ich verloren habe!" Ich weiß nur nicht, warum ich es verloren habe. Ich begreife es nicht mit meinem kleinen Hundehirn. Ich begreife es einfach nicht!!!

Von Tag zu Tag wird mein Blick müder. Die Kreise meiner Gedanken werden kleiner, so klein, dass sie jetzt schon recht gut in meine Zelle passen. Ich laufe im Kreis und denke im Kreis. Das Gitter ist mir schon vertraut, beinahe habe ich es lieb. Ja, ich liebe dich, du verfluchtes Gitter, weil ich wenigstens meine Hoffnungen durch dich durchblicken kann. Ich liebe dich, du verfluchtes Gitter, weil ab und zu ein menschlicher Arm zu mir rein reicht und manchmal sich ein Blick zu mir herein verirrt, der mir sagt: "Warte nur ab. Es kommt auch für dich einmal ein schöner Tag! Bestimmt, bestimmt!"

Um Mitternacht, wenn anderswo Geisterstunde ist, dann reden wir "Häftlinge" miteinander, von Zelle zu Zelle, von Gitter zu Gitter. Wir erzählen uns, warum wir ausgestoßen worden sind, vor die Tür gesetzt, vertrieben, vergessen, wir armen Hunde im Massenstall.

Das ist die Stunde, in der ich dir direkt dankbar bin, du liebes verfluchtes Gitter. Dann liebe ich dich wirklich, ehrlich, aufrichtig; denn dann bist du nicht das Ende meiner Welt, sondern schützt mich vor der Welt der Menschen!

(Verfasser unbekannt) 

Wenn Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen,
dann müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken!